Eine Tonne CO₂ verursacht erhebliche Kosten – für Wirtschaft, Gesellschaft und zukünftige Generationen. Während Unternehmen heute oft nur einen Bruchteil dieser Kosten tragen, wird sich das in den kommenden Jahren deutlich verändern.
Der Treibhauseffekt kurz erklärt
Die Atmosphäre der Erde besteht hauptsächlich aus Stickstoff und Sauerstoff und zu rund 0,1 Prozent aus weiteren Spurengasen wie Kohlendioxid (CO2), Methan oder Ozon. Diese geringen Mengen an Spurengasen haben es jedoch in sich, denn sie sind für den viel zitierten Treibhauseffekt verantwortlich.
Die Gase in der Atmosphäre lassen kurzwellige Sonnenstrahlung zu einem großen Teil passieren. Sie dringt bis zur Erdoberfläche durch und wärmt sie auf. Die langwellige Wärmestrahlung wird von der Erdoberfläche reflektiert und von den Gasen in der Atmosphäre absorbiert.
Vor allem Wasserdampf, Methan und Kohlendioxid absorbieren einen Teil der von der Erdoberfläche abgegebenen Wärmestrahlung und verringern deshalb den Anteil der in den Weltraum abgegebenen Wärme. Ohne diesen natürlichen Treibhauseffekt wäre die Erde vereist.
Doch seit der Industrialisierung steigt die Konzentration von Treibhausgasen. Die Erdoberfläche erwärmt sich dadurch zunehmend. Der Temperaturanstieg führt dazu, dass sich ein neues Gleichgewicht auf einem höheren Temperaturniveau einstellt. [1]
Gesellschaftliche Schadenskosten einer Tonne CO2-Emissionen
Ein höheres Temperaturniveau, also ein sich veränderndes Klima, wirkt sich auf nahezu alle Lebensbereiche aus. Hitzewellen, Dürren, steigend Meeresspiegel und andere Extremwetterereignisse belasten Menschen und Tieren. Sie bedrohen die Artenvielfalt, die menschliche Gesundheit, die Verfügbarkeit und die Qualität von Süßwasser, gefährden Wohnraum und bedrohen Wirtschaft und Landwirtschaft. Die Schadenskosten, die durch Treibhausgasemissionen für eine einzelne Person und die Gesellschaft entstehen, sind immens. [2] Das Umweltbundesamt (UBA) hat in seinem im Februar 2026 veröffentlichten UBA-Handbuch Umweltkosten die globalen Schäden der allein durch Deutschland verursachten CO2äq-Emissionen im Jahr 2024 auf eine Höhe von 647 Milliarden Euro geschätzt, sofern die Schäden für die zukünftige Generationen genauso berücksichtigt werden wie für unsere heutige Generation. [3]
Um die Schäden zu beziffern, die durch Treibhausgase für eine Gesellschaft entstehen, werden die Social Cost of Carbon (SCC) – zu Deutsch „soziale Kosten von Kohlenstoff“ oder „CO₂-Folgekosten“ – herangezogen. Dabei handelt es sich um einen ökonomischen Schätzwert. Er beziffert den zukünftigen wirtschaftlichen Schaden, der durch eine zusätzliche Tonne CO₂äq-Emission verursacht wird. [4]
Das UBA hat in seinem aktuellen Handbuch Umweltkosten einen Kostensatz von 990 € für die Emission einer Tonne CO2äq im Jahr 2025 ermittelt, wenn das Wohlergehen der heutigen und zukünftigen Generationen gleich gewichtet wird. Bei einer stärkeren Gewichtung des Wohlergehens der heutigen gegenüber den zukünftigen Generationen beträgt der Wert 345 € pro Tonne CO₂äq im Jahr 2025.
Der politische CO2-Preis
Die aktuellen Preise für eine Tonne CO2äq liegen in Deutschland und auch überall anders auf der Welt derzeit deutlich unter den tatsächlichen Schadenskosten. Die Idee, von den Verursachenden jeder Tonne CO2äq-Emissionen Geld zu verlangen, soll Anreize schaffen, Emissionen zu vermindern. Wie CO2-Preise festgelegt werden, ist weltweit unterschiedlich. Die EU nutzt seit Januar 2005 das Modell des Emissionshandels (ETS 1). Seitdem werden Verursacher von Emissionen aus dem Stromsektor sowie der energieintensiven Industrie zur Kasse gebeten. Seit 2012 fällt zudem der innereuropäische Flugverkehr darunter und seit 2024 auch der Seeverkehr. Ab 2027 soll in der EU ein neuer Emissionshandel (ETS 2) eingeführt werden, in den dann auch Emissionen aus dem Verkehrs- und Gebäudesektor fallen.
In Deutschland kostete im Jahr 2025 eine Tonne CO2äq 55 Euro. Im Jahr 2024 waren es 45 Euro pro Tonne. Diese Preise werden von der Politik festgelegt. Sie stehen in keiner Relation zu den tatsächlichen Schadenskosten, die eine Tonne CO2äq verursacht. Ab 2027 soll es keine festen Preise mehr geben. Stattdessen soll sich der Preis über einen neuen Mechanismus des EU-Emissionshandels (ETS 2) frei am Markt bilden– vergleichbar mit dem Handel mit Aktien an der Börse. Dazu muss für jede Tonne CO2äq, die in der EU verursacht wird, ein Zertifikat gekauft werden. Es existieren jedoch nur eine begrenzte Menge an Zertifikaten: Für das Jahr 2027 hat die EU etwas über eine Milliarde Zertifikate vorgesehen. Ein knappes Angebot trifft also auf eine voraussichtlich höhere Nachfrage. Modellrechnungen des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI) schätzen den Preis pro Tonne CO2äq für das Jahr 2035 auf über 200 Euro. [5]
Auswirkungen auf Industrie und Verbraucher
Die Folgen steigender CO2-Preise liegen auf der Hand und betreffen sowohl Industrie als auch jeden Endverbraucher: Alles wird teurer. Das EWI legt dazu ein Beispiel vor: Im Jahr 2025 lag der Preis für eine Tonne CO2äq im Verkehrs- und Gebäudesektor bei 55 €/tCO2äq. Laut Berechnungen des EWI steigt der Preis im Jahr 2027 auf 120 €/tCO2äq und liegt 2035 bei 206 €/tCO2äq.
Beispielhafte Entwicklungen bis 2035:
- Heizöl: +50 %
- Erdgas: +32 %
- Kraftstoffe: +26–27 %
Die Preissteigerung der Zertifikate hängt jedoch davon ab, wie viele Tonnen CO2 tatsächlich emittiert werden. Sinken die Emissionen, ist das nicht nur gut für das Klima, sondern auch für den Geldbeutel. Denn wenn die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten sinkt, sinkt auch deren Preis.
Dass das System des Emissionshandels (ETS 1) funktioniert, zeigt sich am Rückgang der Emissionen aus Industrie, Flug- und Seeverkehr, denn dieser funktioniert bereits seit vielen Jahren. Die Emissionen sind in diesen Sektoren EU-weit um 48 Prozent gesunken. Es besteht begründete Hoffnung, dass durch den neuen Emissionshandel ETS 2, der Verkehr und Gebäude einschließt, auch hier die Menge an Treibhausgasen sinkt.
Politisch müssen jedoch genügend Instrumente zur Verfügung stehen, damit sich die Endverbraucher nach und nach den Umstieg auf klimafreundliche Alternativen leisten können.
Fazit
Die tatsächlichen Kosten von Treibhausgasemissionen liegen aktuell deutlich über den CO₂-Preisen. Durch die Weiterentwicklung des Emissionshandels und steigende Preise wird sich diese Lücke jedoch zunehmend schließen.
Für Unternehmen bedeutet das: Emissionen werden zunehmend zu einer messbaren wirtschaftlichen Größe. Wer frühzeitig Transparenz schafft, kann Kosten besser steuern und Risiken reduzieren.
[1] https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/wie-funktioniert-der-treibhauseffekt
[2] https://climate.ec.europa.eu/climate-change/consequences-climate-change_de
[4] https://19january2017snapshot.epa.gov/climatechange/social-cost-carbon-fact-sheet_.html
[5] www.ewi.uni-koeln.de/cms/wp-content/uploads/2025/04/EU-ETS2_Endbericht.pdf